Von Gewalt halt ich nicht viel - nur mit Gewalt erreichst Du 'ne Menge

Regie und Buch: Gabriele Mauch und Karin Redlich
1991; 55 Min.


Berlin-Marzahn, Trabantensiedlung in Ostberlin, 170.000 Einwohner, davon 40% unter 25 Jahren, rund 4000 der Einwohner ausländischer Herkunft. Ein trostloser Stadtteil, der den Jugendlichen kaum Möglichkeiten bietet, ihre Freizeit sinnvoll und selbstbestimmt zu gestalten. Seit der Wende machen sich Orientierungslosigkeit und Tristesse breit, die Gewaltbereitschaft, vor allem gegenüber den vietnamesischen Mitbürgern und Ausländerfeindlichkeit nehmen zu.

Die Filmemacherinnen wollten etwas über die Hintergründe der rechten Einstellungen, den Alltag der Jugendlichen, ihre Weltbilder und ihr Verhalten gegenüber Ausländern erfahren. Ein halbes Jahr lang begleiteten sie fünf Jugendliche einer Clique mit der Kamera- Jugendliche die nicht organisiert sind, sondern nur dabei sein wollen. "Bei uns sind es überwiegend Rechtsradikale, aber wenn ich mich jetzt zum Beispiel nehmen würde, manchmal frage ich mich, was ich überhaupt davon habe, wenn ich rechtsradikal bin...", so die 14-jährige Doreen.

Die Jugendlichen äußern sich offen vor der Kamera, mir verfestigten Einstellungen hat dies jedoch nichts zu tun. Sie wirken jung und orientierungslos, ihre Vorurteile sind stereotyp und voller Widersprüche. "Die Rechten passen auf, daß alles sauber ist. Die Penner dagegen sind alle links und dreckig." Aus Frust vertreiben sie sich die Zeit mit "Fidschis klatschen" - so nennen sie es, wenn sie vietnamesische Straßenhändler überfallen und verprügelen. Freddy ist der einzige in der Clique, der Kontakte zur organisierten rechtsradikalen Szene hat. Als er in die Gruppe kommt, wird er bewundert. "Von dem konnten wir noch was lernen."

Drei Monate später ist die Gruppe zersplittert. Die Mädchen bedauern es, die Jungs haben sich einer Gruppe Skinheads angeschlossen.
Die Filmemacherinnen halten sich zurück, lassen die Jugendlichen erzählen. Es ist ihnen gelungen, hinter die Fassade des zunehmenden Rechtsradikalismus unter Jugendlichen zu blicken und die Lebenswelt und Entwicklung dieser Jugendlichen sichtbar zu machen.

3-sat Mai 93 / Eiszeit Januar 92 - (Mazahner Skins in Kreuzberg...Ost-west-Diskussion)

Der Film eignet sich besonders, um Diskussionen mit Jugendlichen über Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit udn Gewalt anzuregen. Er wendet sich an SozialarbeiterInnen, PädagogInnen, BetreuerInnen und vor allem an Jugendliche selbst.


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